Warum Tierpatenschaft? Es gibt doch Tierheime

Hier in Paraguay ist die Verantwortungslosigkeit gegenüber Haustieren auf den ersten Blick größer als in Deutschland. Der Unterschied ist aber lediglich der, daß es hier weniger Menschen gibt, die ihre Haustiere verhätscheln und extrem verwöhnen und andererseits weniger öffentlichen Eingriff. Hunde sind z.B. eher freilebende Tiere mit angestammtem Schlafplatz als Haustiere. Das bedeutet, daß sich sehr viele Leute Hunde halten, diese aber nach eigenem Gutdünken durch die Nachbarschaft ziehen. Natürlich sind Kastration und Sterilisation eher Fremdworte und so werden aus einem Hund schnell mal drei oder vier. In ländlichen Gegenden ist das nicht weiter tragisch, denn nach dem Asado (Grillabend) ist für jeden etwas zu fressen da. In der Stadt sieht es da schon ganz anders aus. Streunende Hunde sind zwar in der Regel friedlich und man sollte sie lieber nicht streicheln, es sei denn, man sucht noch einen, aber sie werfen natürlich ein schlechtes Licht auf die Sauberkeit der Stadt. Daher haben viele Städte Tierheime eingerichtet, die aber nicht so funktionieren wie in Deutschland. Streunende Hunde werden eingefangen und wenn sie nicht innerhalb einer bestimmten Frist abgeholt werden, was bei den meisten der Fall ist, werden sie getötet. Wie dies von Statten geht, wollen wir lieber nicht hinterfragen. Es ist aber sehr unwahrscheinlich, daß jeder der vielen Hunde eine gnädige Spritze bekommt.

Noch schlimmer sieht die Situation bei Katzen aus. Für sehr viele Paraguayer sind Katzen eher Wildtiere und werden zum Teil brutal “entsorgt”. Fremde Katzen auf dem eigenen Grundstück können sich freuen, wenn sie nur einen Fußtritt ernten. Eine Auffangstation gibt es gar nicht. In unseren ersten Tagen in der Hauptstadt haben wir eine Frau mit einem sehr großen Herz für Tiere kennen gelernt. Sie füttert nicht nur ihre 4 eigenen Hunde, sondern auch rund 20 Katzen aus der Nachbarschaft. Regelmäßig fährt sie an verschiedeme Plätze der Stadt und füttert dort die Katzen. Sie wurde deswegen schon häufig von Anwohnern angepöbelt.

Wir sind kein Tierheim und wollen auch keines werden.
Wir bauen ein Naturschutzprojekt auf und wollen uns vorrangig mit der Renaturierung beschäftigen. Dies kostet viel Zeit und natürlich anfänglich auch Geld. Genaugenommen gehören weder Hunde noch Katzen nach Südamerika und es ist müßig darüber nachzudenken, wer sie hier eingeschleppt hat. Fakt ist, sie sind nun mal da und seit hunderten von Jahren "eingebürgert". Der Schaden war zwar nicht so groß, wie jener der Kaninchen in Australien, aber es reicht aus, um ein unnatürliches Leid zu erzeugen. Katzen und mehr noch die Hunde sind auf eine Integration in den menschlichen Lebensraum angewiesen und das ist auch besser so, denn sie hätten in freier Wildbahn so gut wie keine Feinde (außer Autos). Aufgrund unkontrollierter Vermehrung, solange es Futter gibt, würden sie irreparable Schäden anrichten an den Populationen von Beutetieren.
Alle fünf Tiere sind uns über den Weg gelaufen und brauchten Hilfe, um nicht ausgesetzt zu werden. Wir werden auch Sorge dafür tragen, daß sie sich nicht weiter vermehren können. Manchmal kann man leider einen Eingriff des Menschen nur durch einen weiteren Eingriff halbwegs korrigieren.

KatzenbabiesAls wir nach Concepción kamen, hatten wir vor, uns erst einmal auf den Aufbau unseres Grundstücks zu konzentrieren. Eigene Haustiere wollten wir zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch nicht haben. Aber dann kam alles anders. Bei einem Besuch der Markthallen fanden wir 2 faustgroße Kätzchen mitten auf dem Betonfußboden. Unsere Bekannte sagte, es sei hier üblich, die überzähligen Katzenbabies einfach auf dem Markt auszusetzen, in der Hoffnung, daß sich jemand darum kümmert. Vermutlich werden die meisten die ersten Tage nicht überleben. Wir brachten es nicht übers Herz, die kleinen Würmchen einfach sitzen zu lassen. Als wir sie gerade eingepackt hatten und weggehen wollten, jaulte es ganz herzerweichend und wir fanden einen etwas größeren, aber stark unterernährten Kater. Auch ihn konnten wir nicht dort sitzen lassen. Danach haben wir fluchtartig das Gebäude verlassen.

Kurze Zeit später erfuhren wir von zwei Hunden, die ihren Besitzern zugelaufen waren, die aber selbst schon mehrere Hunde haben und keine weiteren mehr wollten. Sie haben uns gefragt, ob wir ihnen nicht ein neues Zuhause bieten könnten. Nachdem wir sie kennen gelernt hatten, konnten wir einfach nicht anders, als sie aufzunehmen.

Frigga LuckyDa wir selbst vegetarisch leben, gibt es bei uns natürlich keine "freßbaren" Abfälle. Bei den Hunden ist das weniger problematisch, da man beim Metzger Fleischabfälle zu kaufen bekommt. Natürlich müssen wir diese dann noch mit Reis kochen, was recht zeitaufwändig ist. Aber das reicht oft nicht, so daß wir relativ teures Trockenfutter zufüttern müssen. Für die Katzen steht uns leider nur Trockenfutter zur Verfügung. Alles in allem kommen wir auf zirka 10,-€ pro Tier im Monat. Bezogen auf unsere eigenen monatlichen Lebenshaltungskosten, die bei rund 100,-€ pro Person liegen, schlägt das natürlich kräftig zu Buche. Daher würden wir uns freuen, wenn sich jemand an den Futterkosten unserer Tiere beteiligen könnte.

Die Tiere haben bei uns alle erdenklichen Freiheiten. Sie haben ein riesiges Grundstück, auf dem sie sich frei bewegen können und haben ein Dach über dem Kopf, wenn es mal regnet. Sie verstehen sich untereinader bestens und kommen auch mit den Hühnern wunderbar klar. Es ist eine große Familie. Falls uns irgendwann noch einmal ein Tier in Not über den Weg laufen sollte, werden wir es selbstverständlich auch aufnehmen.

Baldo:
BaldoBei Baldo wußten wir sofort, daß es ein Kater ist. Er war am Anfang extrem abgemagert, aber der älteste der Katzen. Er konnte nicht nur gleich am Anfang selbständig fressen, sondern mußte auch lange Zeit für die beiden anderen die “Mutterrolle” übernehmen. Wir hatten schon ein schlechtes Gewissen, denn an einigen Körperstellen ging ihm das Fell aus, weil die beiden anderen an ihm herumgenuckelt haben. Er hat aber alles mit einer Engelsgeduld über sich ergehen lassen.

BaldoBaldo ist der Melancholiker. Er sitzt oft so da, daß ihm die Nachdenklichkeit ins Gesicht geschrieben steht. Aber er war auch der erste, der auf Bäume klettern konnte und am geschicktesten wieder herunterkommt, nämlich rückwärts. Seine Neugierde kennt keine Grenzen und er ist bei allen handwerklichen Tätigkeiten immer dabei. Beim Schleifen führt er mit seiner Pfote die Hand auf dem Schleifklotz, aber auch beim Mauern würde er am liebsten die Kelle in die Pfote nehmen. Baldo ist ein absolut gelehriges Tier, hört auf seinen Namen und möchte eigentlich immer nur mehr lernen.

Jesse:
JesseJesse hieß ursprünglich mal Jette, denn wir glaubten, zwei Katzen und einen Kater zu haben. Erst viel später erkannten wir, daß die beiden vermeintlichen Katzen ebenfalls Kater waren. Jesse mußten wir anfänglich mit der Spritze füttern, aber er war von Anfang an immer sehr schmusebedürftig. Oftmals mußten wir ihm nach dem Schlafen die Augen regelrecht auswaschen, da er sie nicht aufbekam. Einmal fiel er sogar aus unserem Bett und suchte das Katzenklo. Leider hatte er keinen Erfolg und das Geschäftchen ging daneben. Klar, wenn man die Augen nicht aufbekommt.

JesseHeute ist er der größte der drei, aber immer noch extrem verschmust. Seine Kletterkünste lassen eher zu Wünschen übrig und wir mußten ihn schon vom Baum herunter reden. Immerhin verhält er sich wie ein richtiger Kater und geht auf die Jagd. Es war auch für uns schwer, denn die Beutetiere sind hier weniger die Mäuse als die Meerschweinchen. - Nun, Meerschweinchen gibt es hier so viel wie in Deutschland Mäuse, also ist das wohl Natur.

Lucky:
LuckyLucky war von Anfang an unser Sorgenkind. Hier paßte wenigstens der Name für beide Geschlechter, denn anfänglich hielten wir ihn ja auch für eine sie. Er fing viel später an, festes Futter zu sich zu nehmen und hatte danach nochmal einen regelrechten Rückfall, bei dem wir um sein Leben fürchteten. Er war viel kleiner als sein Bruder Jesse und fraß oft nur, wenn er allein saß. Sehr lange Zeit hat er noch an Baldo herum genuckelt, als ob es seine Mutter wäre.

LuckyHeute ist es ein Lausbub und eher Hund, als Katze. Das zeigt sich schon bei seinem Gesichtsausdruck. Der Lausbub steht ihm ins Gesicht geschrieben und die zwei unterschiedlichen Augen (eines blau, eines grün) machen ihn zu etwas Besonderem. Jeden Morgen wartet er regelrecht auf den Spaziergang und legt die große Runde mit immerhin 1km ohne Probleme zurück. Es ist wirklich lustig, mit drei Hunden spazieren zu gehen, von denen einer eine Katze ist. Wenn wir am Arbeiten sind, kommt er mit und legt sich in der Nähe zum Schlafen. Wir dürfen nur nicht vergessen, ihn zu wecken, wenn es wieder nach Hause geht. Bei unseren Zaunreparaturen hat er stets beobachtet, ob wir auch alles richtig machen.

Frigga:
FriggaFrigga ist eine Schäferhund Mischlingshündin, die bei einem Paraguayer geboren wurde, der schon 6 Hunde hatte. Es war ihm einfach zu viel geworden. Als Michael mit dem Motocarro ankam, gab es ein kleines Mißverständnis. Sie sollte eigentlich in einer Transportbox sein, saß aber im Laderaum. Ich öffnete die Tür, sie schoß raus und ab die Post. Sofort haben wir mit der Suche gestartet, aber vergeblich. Resigniert saßen wir zu Hause und haben überlegt, was wir jetzt machen können. Unser Bekannter hat uns beruhigt, daß die Nachbarn sie schon zu uns bringen, wir hatten ja für genügend Aufruhr gesorgt. Plötzlich stand sie da. Obwohl sie diese Gegend überhaupt nicht kannte, hat sie es wohl vorgezogen, den einzigen bekannten Punkt aufzusuchen.

FriggaDie folgende Zeit war schwer, denn sie war total verstört. Mit Männern konnte sie gar nicht, was wohl am früheren Besitzer lag und mit engem Kontakt hatte sie auch ihre Schwierigkeiten. Sie ist wohl niemals gestreichelt worden, sondern eher nur geschlagen. Mit viel Geduld und Leckerlies hat sich dies aber im Laufe der Zeit gründlich gewandelt und heute ist sie ein richtiger Knuddelhund geworden. Außerdem ist sie die Chefin, denn sie braucht nur vor die Tür zu treten, kurz zu bellen und Ronny läuft los.

Ronny:
RonnyRonny ist eine echte und sehr hübsche Promenadenmischung. Er ist einem Bekannten zugelaufen und wollte einfach nicht wieder weg. Da die anderen 4 Hunde ihn nicht akzeptiert haben, hat er mehr oder weniger im Tatacua (einem Lehmofen) gelebt. Als er zu uns kam, hatte er eine starke Verletzung am Rücken mit Madenbefall. Hier haben wir gelernt, daß die Maden sogar heilen. Getreu unserer Devise, auf Selbstheilungskräfte zu setzen, anstatt mit Chemie alles zu bekämpfen, waren die beiden tiefen Löcher nach wenigen Wochen verheilt. Es sind zwar kleine Narben zurück geblieben, aber wir hatten damit mehr Erfolg als mit Silberspray und Antibiotika.

RonnyRonny war von Anfang an absolut verschmust. Er kann es bis heute nicht lassen, mit den Pfoten hochzusteigen. Aber leider ist er auch nachtaktiv und schläft gern am Tag, um sich für die nächtlichen Aktivitäten auszuruhen. Schließlich muß er ja losstürmen, wenn Frigga bellt und auch in der Nachbarschaft nach dem Rechten sehen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten (er kam immer wieder einmal mit Blessuren nach Hause) haben sich alle beide wunderbar in das Rudel der Nachbarshunde integriert.

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