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21.09.2026 - Ameisen sind sehr nützlich - wirklich?

Schon in der deutschen Schule haben wir gelernt, daß Ameisen die Polizei und Feuerwehr des Waldes sind. Außerdem beseitigen sie alles Mögliche, was so auf dem Waldboden herumliegt. Doch wie ist das hier in Paraguay?

Nun, auch hier sybolisieren sie das Prinzip der Ordnung, also des Saturn. Leider haben wir selbst ein Problem mit diesem Prinzip und vielleicht wird uns dies durch die Ameisen immer wieder, teils sogar schmerzhaft, vor Augen geführt. In den Anfangsjahren waren die Kollisionen mit diesen Tierchen eher harmlos, heute sind sie oft heftiger. Aber schauen wir uns die "Störenfriede" doch mal etwas näher an.

Blattschneider

Die Blattschneider haben unsere Moringa Bäume während des Wachstums immer wieder kahl gefressen. Einige hatten wir schon aufgegeben, aber sie sind ebenso hartnäckig, wie die Ameisen und wir bekamen die meisten durch. Nun, Moringa gehört nicht hierher - ein Zeichen? Ebenso aggressiv attackieren sie Eukalyptus, aber auch dieser Baum ist eher ein Schmarotzer. Einheimische Bäume werden zwar auch als Nahrungsquelle genutz, aber selten komplett entlaubt. Da wir mit der Natur leben wollen, sollten wir dies evtl. als ein Zeichen deuten. Eukalyptus und Maringa sind inzwischen groß genug, um die Angriffe auszuhalten und wir werden auch keine Plantagen dieser Bäume errichen. Zeichen erhalten, Zeichen gedeutet und zumindest hier Frieden geschlossen.

Winzig kleine Plagegeister

Immer wieder fressen sich winzige Ameisen durch Beton und Fliesenfugen. Sie hinterlassen darunter Hohlräume, die einstürzen könnten und größere Risse im Fußboden erzeugen. Klar könnte jetzt jemand sagen, mit einer richtigen Betonmischung wäre das nicht passiert, aber das Haus sollte ja schnell fertig werden und uns nur kurz beherbergen. Sie waren schon lange nicht mehr da, aber nun wieder.

Termiten

AmeisenTermiten bauen imposante Hügel aus Lehm, die sie mit einer Art Klebstoff witterungsresistent machen. Sie ernähren sich u.a. von abgestorbenem Holz, was natürlich auch zu Papier verarbeitet wird. Es ist zwar 7 Jahre gut gegangen, aber dann mußten wir eines Tages eine für uns schreckliche Entdeckung machen. Einige unserer mitgebrachten Bücher sind diesen Tierchen zum Opfer gefallen. Auch sie können sich durch den Fußboden graben und dann ihr Werk starten. Da sie nicht die kleinsten sind, befördern sie gewaltige Erdmengen an die Oberfläche (des Foßbodens). In unbewachten Ecken können da schon mal locker 10l Erdreich als Haufen daliegen. Nicht auszudenken, wie hohl der Untergrund danach sein muß.

Wanderameisen

Es ist wohl die garstigste Art. Sie laufen zu zehntausenden als Teppich über den Boden und fressen alles, was fleischlichen Ursprungs war, aber leider auch ist. Wir konnten einmal miterleben, wie eine lebende große Spinne in weniger als einer Minute komplett aufgefressen war. Auch wir Menschen sind ein willkommenes Futter und man darf garantiert nicht stehen bleiben, sonst zwickt es an allen möglichen Stellen. Sie sind schnell und kaum zu kontrollieren. Am Beginn unseres Lebens in Paraguay haben sie uns nachts heimgesucht, aber die meisten sind von einem Loch in der Wand zum nächsten gezogen, den Hauptstrom konnten wir beobachten. Die letzten Angriffe waren da schon heftiger. Plötzlich krabbelte es an den Innenwänden und ein Blick zur Tür hinaus ließ nur noch den Griff zur Sprühflasche mit dem Gift zu. Zehntausende belagerten das Haus und griffen durch jeden nochso kleinen Spalt an. Hier gibt es nur noch einen Vergleich, es war Krieg. Uns ist klar, daß wir mit dem Gifteisatz wahrscheinlich Völkermord begangen haben, aber bei einem Grundstück von 14ha müssen sie nicht unbedingt das Wohnhaus, welches gerade mal 40m² hat, angreifen. Wir hoffen, daß wir auch mit diesen Kreaturen unseren Frieden schließen können, aber vielleicht gehören sie ja in die alte, sterbende Welt. Wir sehen einen Sinn in der Beseitigung abgestorbener Biomasse, aber diese Tiere sind aggressive Jäger, die vor nichts halt machen - außer vor der Chemiekeule.

Riesenaseisen

Ab und zu macht man mal einen Karton auf und es krabbelt gar fürchterlich. Die erste Erfahrung hatten wir, als unsere Kartons hier eintrafen und ein Thermomix komplett voll Ameisen war. Damals half uns der Arbeiter von Valle Tucan, wo wir zu dieser Zeit noch wohnten, mit Piff Paff, ein Pulver gegen Ameisen. Später hatten wir noch einige Erlebnisse mit ihnen, aber sie zerstören in ihrem Heim wenigstens nichts. Klar wollten wir sie loswerden, also die Kartons nach draußen bringen und dann haben die Hühner ein Festmahl. Diese Ameisen schmecken ihnen, viele andere leider nicht.

Abschließen sei also Bilanz gezogen. Da alles einen Sinn hat, haben wir diesen bei einigen Ameisen noch nicht verstanden, oder die Aufgabe lautet einfach "erdulde nicht alles, sondern setze Dich zur Wehr". Der Sinn der Blattschneider könnte die Entlaubung einiger Bäume sein, die dies benötigen, dann wäre es eine Symbiose. Die Termiten könnten wirklich dafür gut sein, altes Holz schneller zu recyclen. Die Wanderameisen könnten selbst von ihrem Weg abgekommen sein, totes Material zu fressen und sich statt dessen an lebendem zu nähren. Es sind Spekulationen, aber wir wollen ja im Einklang mit der Natur leben, also sollten wir sie verstehen.