Wasser - eines der Geheimnisse des Lebens

Das, was wir so achtlos dazu verwenden, um unsere "Abfälle" in einem WC zu beseitigen, ist für alle Pflanzen und alle Tiere (hier gehören auch wir Menschen dazu) ebenso lebensnotwendig, wie die Luft. Die einen oder anderen mögen zwar mit extrem wenig auskommen und sehr geschickte Fähigkeiten entwickelt haben, es zu speichern und wiederzuverwenden, aber ganz ohne geht es nicht.

Das Wasser von oben nach unten fließt, weiß natürlich jedes Kind und das "unten" letztlich immer das Meer und das Grundwasser ist (mal abgesehen vom Toten Meer und einigen Seen) ist natürlich auch ganz klar. Aber wie kommt es wieder nach oben? Ganz einfach, durch den Regen. HALT! So einfach ist das gar nicht.

Regenwolken ueber Meer

Natürlich verdunstet über den Meeren eine Menge Wasser und bildet Wolken, die dann durch den Wind transportiert werden. Aber ein großer Teil dieser Wolken schafft die Reise bis zum Land gar nicht und regnet über dem Meer auch wieder ab. Einige schaffen es an Land, aber schon die ersten Hügel und erst recht ausgewachsene Berge sorgen dafür, daß die Luft und mit ihr auch die Wolken nach oben gedrückt werden, abkühlen und durch geringere Tragfähigkeit abregnen. Hinter den Bergen ist kein Tropfen Wasser mehr in der Luft, wie wir am Bespiel der westlichen Sahara sehen können. Aber wie kommen denn nun Wolken mehrere Tausend Kilometer in das Landesinnere?

Hierfür gibt es, wie für alles in der Natur, nicht nur einen Vorgang, oft ist es die komplizierte Verflechtung mehrerer. Eine Möglichkeit ist ein stetiger Wind, der über eine ebene Küstenregion landeinwärts weht, wie z.B. die deutsche und holländische Nordseeküste. Hier können regenschwere Wolken unter günstigen Bedingungen ungehindert Polen oder sogar das westliche Rußland erreichen. Dies ist eine ganz ordentliche Strecke von 2.000-3.000km, die anderen Ortes locker ausreichen würde, um aus Wüsten blühende Oasen zu machen (Beispiel hier nochmal die Sahara).

Der Wald als Wasserpumpe
Ein weiterer sehr wichtiger Faktor ist hierbei der Wald. Egal, ob es sich dabei um einen europäischen oder einen tropischen Wald handelt, alle Wälder sind eine Art Wasserpumpe. In einem gesunden Wald erreicht nur ein Teil des Regens den Boden, ein anderer verdunstet von den Blättern, entweder unmittelbar nach dem Regen oder zeitverzögert durch die Photosythese, die einen Teil des Wassers wieder aus dem Boden holt. Wir können hier, wie an anderen Stellen auch, natürlich nicht alle Details solcher komplexen Vorgänge erläutern, aber es soll hier ja auch nur ein kleiner Eindruck vermittelt werden. Ein Wald kann selbst bei Gebirgen mit imposanter Höhe dafür sorgen, daß es "dahinter" immer noch regnet.

Ein sehr gutes Beispiel sind hier die Anden. Vor ca. 1.000 Jahren, also in der Zeit, die wir als Mittelalter bezeichen, waren die westlichen Abhänge der Anden, die recht steil zum Meer abstürzen, noch vollständig bewaldet. Heute hat der Mensch hier alle möglichen Versuche unternommen, dieses Gebiet nutzbar zu machen und der Wald ist fast vollständig verschwunden, zugunsten von Städten. Dort, wo der Streifen etwas breiter ist, wird Landwirtschaft betrieben. Ergebnis ist, daß der Wasserstand des Titicaca-Sees um 30m gesunken ist. Das ist eine unvorstellbare Zahl, denn sie bedeutet, daß sein heutiges Ufer 20-30km vom damaligen Ufer entfernt liegt. Ehemalige Inseln liegen heute viele Kilometer "an Land". Der Titicaca-See hat keinen Abfluß und wird gespeist durch die Flüsse des Altiplano oder sog. Andenhochlands, die wiederum ihr Wasser aus dem Regen beziehen, der es noch über die westliche Andenkette schafft. Die natürliche Verdunstung hatte früher für blühende Vegetation in der Nähe des Sees geführt, heute muß bewässert werden.

Auch Flüsse haben einen gewaltigen Einfluß auf Klima und Fruchtbarkeit angrenzender Regionen, aber nur, wenn man sie in ihrem Bett läßt und ihnen ihre Auen nicht zerstört. Viele Flüsse überwinden auf ihrem Oberlauf große Höhen, werden aber auch hier schon durch natürliche Barrieren am schnellen abfließen gehindert. Jeder kleine Tümpel, der sich so bildet, sorgt für Verdunstung, erst recht natürlich ein großer See.
Mittlerweile hat sogar die Industrie erkannt, daß die Begradigung eines Oberlaufes oder die Trockenlegung von Überschwemmungsgebieten verheerende Folgen haben kann, denn das Wasser erreicht nun nach einem heftigen Regen fast ungebremst und vor allem nicht zeitlich verteilt, den Unterlauf - und der ist dann sehr schnell (über)voll. Auch die Unterläufe werden heute gern zu Kanälen umgebaut, denn wer wohnt schon gern an einem Fluß, den er nur einmal im Jahr sieht, wenn die Auen überflutet sind. Das Regenwasser läuft heute in vielen Flüssen so schnell ab, das die Verdunstung auf dem Weg zum Meer drastisch gesunken ist. Selbst die Bewässerung von Feldern kann daran nichts ändern, denn das aus den Flüssen entnommene Wasser fließt hier einfach nur unterirdisch weiter, die Verdunstung hat nur einen geringen Anteil.

Fluss

Ein sehr interessantes Beispiel ist der Rio Pilcomayo, der in 5.000m Höhe in Bolivien entspringt und kurz nachdem er Paraguay erreicht hat, einfach versickert und keine Verbindung mehr zu seinem Unterlauf hat. Solange dort, wo er die Ebene erreicht noch Urwald stand, hat dieser dafür gesorgt, daß der Fluß auch dann beschattet wurde, wenn er sich mal wieder ein neues Flußbett gesucht hatte.
Heute versickert das Wasser in einem riesigen "Delta", welches fast Baum- und Strauchlos ist. Wasserentnahme zur Feldbewässerung hat hier dazu geführt, daß in etwas mehr als 10 Jahren diese Versickerung fast 100km weiter oben erfolgt. Die heute eingesetzten Bagger, die für einen reibungslosen Fluß sorgen sollen, sehen da gegenüber den nätürlichen Regelmechanismen hilflos und fast nutzlos aus.