22.05.2021 - Zwangspause

Das Jahr 2020 hat uns, im Nachhinein betrachtet, geistig gelähmt. Die Ereignisse in der Welt, die wir von Anfang an aufmerksam, seit März extrem intensiv, verfolgt haben, waren so skurril, daß wir bis heute noch nicht verstehen können, wie die Mehrheit der Menschen so traumwandlerisch durch ihr "Leben" torkeln. Schon am Anfang der inszenierten Plandemie war eines klar, dies wird keine kleine Veränderung werden, sondern danach wird nichts mehr so sein wie vorher. Allerdings hofften wir von einem markanten Datum zum nächsten, von einer Sternenkonstellation zur nächsten, immer wieder, daß nun der entscheidende Durchbruch geschehen müsse. Zuletzt feierten wir das Jahrtausend Ereignis am 21.12.2020 und hatten dies sogar zum Anlaß genommen, in dem Artikel "Drei Jahre Paraguay - eine kurze Bilanz" über unsere Zeit hier in Paraguay zu reflektieren.

qanonAuch das Datum der alles entscheidenden Wahl in den USA fiel auf meinen (Michael) Geburtstag, was wir auch als ein Zeichen sahen. So euphorisch wir am Anfang auch waren, mußten wir eingestehen, daß uns vor allem eines fehlte, und zwar Geduld. Diese sollten wir dann aber in den ersten Monaten des Jahres 2021 zur Genüge lernen.

Es fing alles ganz harmlos und unscheinbar an. In den letzten Dezembertagen hatte ich immer wieder ein Kribbeln in Händen und Füßen, so als ob sie eingeschlafen wären. Da es zu dieser Zeit nur kurzfristig auftrat, taten wir es als kleine Durchblutungsstörung einfach ab und ignorierten es. Welch fataler Fehler. Die größte Tücke war, daß sich die Symptome so unmerklich langsam einstellten und sich zwischendurch auch immer wieder abschwächten, daß wir sie nicht wirklich ernst nahmen.

Selbst als sich Ende Januar die ersten Lähmungserscheinungen in den Füßen zeigten und die Finger eine seltsame Überempfindlichkeit auf bestimmte Reize aufwiesen, machten wir noch weiter wie bisher. Schließlich war Sommer und auf dem Grundstück gab es jede Menge Arbeit. Statt die ruhigen Minuten dafür zu nutzen, in sich zu gehen, suchten wir begierig nach neuen Entwicklungen in der Welt. Es lagen ja auch zwei, damals einschneidende, Schockergebnisse hinter uns, der 6. und der 20. Januar. Außerdem machte uns die Entwicklung in Deutschland Sorge, da schließlich die (erwachsenen) Kinder noch dort sind.

Für Anfang März hatte sich Besuch angesagt und so stand der Februar neben den Arbeiten auf dem Grundstück auch im Zeichen von aufräumen, denn schließlich wollten wir ihn in der Küche unterbringen und die war zu diesem Zeitpunkt noch unser Lagerraum. Am 16. Februar versagten dann plötzlich bei einem Kontrollgang meine Knie und ich landete zum Glück im Gras. Ein sehr unschönes Erlebnis, ohne Vorwarnung die Kontrolle zu verlieren. Auf Carmen gestützt schafften wir es dann zurück zum Haus. Zu diesem Zeitpunkt war die Muskulatur in den Füßen, bis auf wenige Ausnahmen, schon gelähmt. Das einzige, was ich zu diesem Zeitpunkt gelernt hatte, war, daß man auch mit gelähmten Füßen in ebenem Gelände trotzdem noch gut laufen kann und mit Stiefeln sogar in etwas unebenem.

Jeden Tag hoffte ich darauf, daß es besser würde, aber Besserungen waren nie von langer Dauer und danach kam immer etwas Schlimmeres. Das unkontrollierbare Muskelversagen in den Knien häufte sich. Anfänglich half ein Stock oder die führende Hand von Carmen, aber Anfang März ging es nur noch mit einer vollständigen Abstützung und die Strecken wurden auch extrem kurz. Daß wir keinem Schulmediziner vertrauen, hatten wir bereits früher geschrieben. Dies wußten auch unsere Nachbarn und so stand er eines Tages am Tor und erzählte, er wüßte, wo ein Heiler ist. In den folgenden Tagen fuhren wir 3x zu dem Heiler, aber es stellte sich keine Besserung ein. Selbst der Pastor der Zeugen Jehovas aus der Nachbarschaft konnte, trotz lautstarken Schreiens und Betens (mit Unterstützung unserer Nachbarn), nichts ausrichten.

Es ist hier üblich, Kranke oft zu besuchen und sie zu unterhalten und auch "vernünftiges Essen" zu bringen, denn schließlich wissen die Nachbarn von uns nur, daß wir uns vegetarisch ernähren. Natürlich war das Essen nur für mich und natürlich, um Carmen zu zeigen, wie man "richtig" kocht. Ich merkte recht schnell, daß ich alles andere als Unterhaltung brauchte, nämlich einfach nur Ruhe - aber das einem Paraguayer zu erklären, ohne daß er eingeschnappt ist und dann auch noch mit unseren geringen Sprachkenntnissen, ist doch etwas schwierig.

PauseAnfang März endete dann der Rückweg aus der Küche ins Schlafzimmer in einem schmerzhaften Spagat auf den Fliesen. Das sollte erstmal für lange Zeit der letzte Ausflug auf den eigenen Beinen gewesen sein. Den Tag darauf klatsche es plötzlich vor dem Tor (das ist hier die übliche Türklingel) und ein junger Mann im weißen Kittel stand Carmen gegenüber, sogar ohne Mundschutz. Er stellte sich ihr als der Doktor vom hiesigen Gesundheitsposten vor, sprach sogar englisch und fragte, ob er sich mich mal ansehen dürfe. Wer ihn gerufen hatte, erfuhren wir erst später. Die Buschtrommeln funktionieren hier wirklich noch hervorragend.

Zu diesem Zeitpunkt konnte ich mich wenigstens noch am Tisch festhaltend aufrichten und die Hände funktionierten auch noch halbwegs. Er wollte wieder kommen und Blut abnehmen, um eine bessere Diagnose stellen zu können. Als er dann allerdings wiederkam, wollte er nicht mehr nur Blut abnehmen, sondern mich gleich in ein Krankenhaus einweisen, um Rückenmark entnehmen zu können. Das ging aber nun gar nicht. Zum Glück ist man hier in Paraguay noch "Mensch" und nicht nur "Person" und hat dadurch noch einen freien Willen. Die Diagnose, das "Guillain-Barré-Syndrom" (kurz GBS) war absolut treffend. Hut ab vor einem "simplen" Dorfarzt. Er war zwar nicht sehr begeistert, daß ich nicht ins Krankenhaus wollte, akzeptierte es aber mit dem Versprechen, ihn über den weiteren Verlauf zu informieren (per WhatsApp), denn immerhin kann diese Krankheit auch tödlich verlaufen.

Krankheit als SymbolNatürlich war das Allererste, was wir machten, bei Dahlke nachschlagen und tatsächlich hatte er dieses Symptom beschrieben. Das anfängliche Gefühl bestätigte sich dadurch - hier hilft wirklich nur eins, und zwar Ruhe. Nun folgte eine intensive Rückbetrachtung der Ereignisse, die überhaupt soweit führen konnten. Schließlich hatte ich mir ja angemaßt zu behaupten, meine Lebensaufgaben bewußt zu bewältigen und sie nicht vom Körper bearbeiten zu lassen. Das Wichtigste war, die Autoaggression zu verstehen und aus dem Körper zu verbannen, was relativ schnell gelang. Zwischenzeitlich veränderte sich auch mal wieder das eine oder andere, zum Beispiel wurden zwar die Oberschenkelmuskeln kräftiger, dafür machte die Muskulatur in den Knien nach wenigen Bewegungen schlapp. Die Stimme versagte vollständig, sodaß ich nur noch flüstern konnte, da offenbar auch diese Muskeln beeinträchtigt waren und auch die Hände machten noch einen kurzen Rückschritt. Immerhin konnte durch die Erkenntnis der urprinzipiellen Zusammenhänge das weitere Fortschreiten der Krankheit gestoppt werden - ein erster riesiger Erfolg.

Was nun kam, war eine sehr lange Zeit des geduldigen Wiederaufbaus der verlorenen Fähigkeiten. Am Anfang stand das Verständnis dafür, mit welchen Urprinzipien ich mich eigentlich "angelegt" hatte und das waren nicht gerade wenig. Da waren die Muskeln (Mars), die Kommunikation mit ihnen (Merkur), die Autoaggression (Pluto) und nicht zuletzt die gelähmten Füße (Neptun). Wow, da habe ich ja ordentlich zugeschlagen. Den Pluto konnte ich offenbar sehr schnell besänftigen, immerhin macht er seine Aufgaben im Darm absolut hervorragend, sodaß ich nur alle 2 Tage den mühsamen "Stuhlgang" erledigen muß. Die Kommunikation ist mit fast allen Muskeln, außer den Füßen, ebenfalls wiederhergestellt, sodaß ich mit Gymnastikübungen nun die Muskeln wieder aufbauen kann.

Anfang Mai konnte ich dann die ersten tiefen Töne wieder von mir geben, was aber sehr anstrengend war, da man dazu viel Luft benötigt. Zum Geburtstag von unserem Sohn Nils am 15. Mai konnte ich sogar wieder singen, klang zwar vielleicht noch etwas schräg, aber Carmen und ich waren sehr stolz darauf.

Heute, am 22. Mai, kann ich zwar noch nicht laufen, aber die Beinmuskulatur hat sich sehr gut entwickelt. Ich kann die Beine in verschiedenen Stellungen längere Zeit halten, auf die Knie kann ich mich aufrichten und wahrscheinlich ist für den ersten Stehversuch nur der Kopf die Bremse, denn die Erinnerungen an die unsanften Bodenkontakte sind dann doch noch zu frisch. Auch die Hände könnten etwas funktionsfähiger sein, da sich die Finger und Daumen noch nicht richtig spreizen lassen, aber wie gesagt, die Hauptaufgabe lag hier darin, Geduld zu lernen und das ist nun nicht mehr schwer, da es jeden Tag ein bißchen besser wird.

Carmen hat in dieser Zeit auch eine Menge Veränderungen durchgemacht. Zwangsläufig mußte sie eine gehörige Portion Selbstbewußtsein aufbauen, denn schließlich war sie die letzten fast 3 Monate diejenige, die hier den Laden geschmissen hat. Die wöchentlichen Einkäufe, vor allem im 23km entfernten Concepción, wären selbst für eine paraguayische Frau abenteuerlich gewesen. Auf dem Roller einen kleineren Rucksach vorne zwischen den Beinen, einen weiteren kleinen Rucksack vorner am Bauch hängend (zum Glück abgestützt) und einen großen und immer schweren Rucksack auf dem Rücken, der glücklicherweise auf der Fahrt ebenfalls auf der Sitzbank abgestützt ist. Allerdings bringt das Aufsteigen dann doch schon kleine bis mittlere Schwierigkeitn mit sich, denn vorne ist ja schon der kleinere Rucksack festgeschnallt, also muß man, wie bei einem normalen Motorrad, mit dem Bein hinten herüberschwingen. Bei locker 10kg oder mehr auf dem Rücken kann man da schon mal leicht das Gleichgewicht verlieren. Das wäre aber nur einmal beinahe passiert.

RasenmaeherAuch die Arbeit auf dem Grundstück wollte Carmen anfänglich reißen. Schmerzlich mußte sie vor dem Freischneider kapitulieren, denn diese "Höllenmaschine" war einfach nicht ihr Ding. Und selbst der Rasenmäher meinte, mitten während des Einsatzes plötzlich streiken zu müssen. Ich hatte an der Problembeschreibung schnell den Verdacht, der sich später auch bestätigte, daß die Düse im Vergaser mal wieder verstopft war, aber Carmen hatte das Ding noch nie zerlegt. Wozu auch, das war ja meine Aufgabe. Recht widerwillig und schimpfend machte sie sich dann, unter meiner Anleitung, trotzdem an die Arbeit - und siehe da, der Rasenmäher läuft wieder.

Im April beschlossen wir dann aber, alle Fünfe gerade sein zu lassen und uns auf die Genesung zu konzentrieren und die Aufgaben aus der Körperebene zu erlösen. Carmen hatte während meiner Krankheit einen sehr unschönen Hautausschlag an den Beinen, der immer wieder durch Insektenstiche neu angeregt wurde. Seit wir uns aber auch damit beschäftigen und sie zur Ruhe gekommen ist, ist auch dies fast verschwunden.

Gelernt haben wir aus dieser Geschichte, daß es am allerwichtigsten ist, eine geistig-seelische Balance zu haben, da anderenfalls die verdrängten Aufgaben sich machtvoll im Körper zum Ausdruck bringen. Man kann dieses nicht austricksen, da hilft auch kein noch so lautes "nur noch". Wenn eine geistig-seelische Aufgabe zur Bearbeitung ansteht, dann ist es vollkommen egal, ob man eigentlich nur noch diese Arbeit zu Ende bringen will, um sich dann danach damit zu beschäftigen. Es ist wichtig, sich sehr bald damit zu beschäftigen, wenn diese Aufgabe herangetragen wird, sonst landet sie eben im Körper und wird zur Zwangsbelehrung. Wir haben uns vorgenommen, nie wieder derartige Zwangsbelehrungen empfangen zu müssen.

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Neuigkeiten vom 09. Juni 2021

Am 29. Mai war es endlich so weit und ich machte den ersten Stehversuch. Dieser dauerte zwar nur 1 Minute, aber schon am folgenden Tag konnten wir es deutlich auf eine halbe Stunde steigern. Klar, daß ein bißchen schummeln bis heute mit dabei ist, denn der Tisch zum Abstützen darf nicht zu weit entfernt sein. Immerhin stehe ich jetzt schon täglich insgesamt 1 Stunde und versuche immer wieder, die Hände vom Tisch zu nehmen. Durch die nach wie vor gelähmten Füße ist das Balancehalten nur kurz möglich. Auch aufstehen geht mittlerweile schon alleine.

Die Stimme ist zu 100% wieder hergestellt und selbst längeres Sprechen geht problemlos.

Die Hände werden jeden Tag ein kleines bißchen besser und hier kommt, genau wie bei den Füßen, die Ungeduld ins Spiel. Greifen geht wieder relativ gut, wenn auch ein wenig kraftlos. Nur beim Ausstrecken der Finger fehlt noch die Unterstützung der Muskulatur und so sehen die Finger nach wie vor etwas wie die eines Gichtkranken aus. Aber auch daran arbeiten wir täglich.